Apartheid-Connections

Kredite an ESKOM

Ein Beispiel von Kollaboration mit dem Apartheidregime

Fragt man Schweizer Banken und Unternehmen nach ihrer Mitverantwortung am Apartheidsystem, so stösst man auf taube Ohren. Entsprechend wollen sie auch nichts von Wiedergutmachung hören. Dies war Anlass für die «Recherchiergruppe Schweiz – Südafrika» dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Als Untersuchungsgegenstand bot sich der staatliche südafrikanische Energiekonzern ESKOM an. Gottfried Wellmer hat nun in seiner Studie* die Mitverantwortung der Banken und Unternehmen belegt. Zum einen führt er die Bedeutung des Energiekonzerns aus. ESKOM musste – unter der ständigen Drohung eines Ölembargos – die Energieversorgung der Wirtschaft, insbesondere der exportorientierten Bergbauwirtschaft, sicherstellen. Dieser Mineralien- und Energiekomplex (MEK) war das Herz der südafrikanischen Wirtschaft.
MEK steht aber auch für die ungleiche soziale Entwicklung zwischen weiss und schwarz. Während die schwarze Mehrheit ohne elektrischen Strom auskommen musste, erhielten die von Weissen kontrollierten Konzerne Billigststrom. Weisse Männer waren Vorarbeiter, während die schwarzen nur als Wanderarbeiter ohne Rechte zugelassen waren.
Wenn nun der grösste Teil der ausländischen Anleihen – wie Wellmer dies belegt – ESKOM zugute kamen, dann darf mit Recht behauptet werden, dass die Banken mit dem Apartheidregime kollaboriert haben. Dabei stehen die Schweizerbanken an vierter Stelle.
ESKOM war aber auch führend bei der Realisierung des südafrikanischen Atomkraftwerks Koeberg, Grundlage zum nachmaligen Bau der Atombombe. Die erste Uranlieferung wurde durch die Schweiz (Kaiseraugst) vermittelt. Unternehmen aus der Schweiz lieferten Kapitalgüter – abgesichert durch die Exportrisikogarantie – und Wissen nach Südafrika, waren somit ebenfalls eng mit dem Apartheidregime verbunden.
Die ESKOM-Studie, die wegen des Archivzugangs nur Daten bis 1980 erfassen konnte, zeigt bereits für diesen Zeitraum das starke schweizerische Wirtschaftsengagement im Apartheidstaat auf. Dass sie dabei genauere Daten publiziert, als die Interdepartementale Arbeitsgruppe Schweiz-Südafrika für ihren Bericht benutzte, wirft nicht gerade das beste Licht auf deren Arbeit. Oder soll die Verantwortung der Schweizer Banken und Unternehmen nicht genauer erforscht werden?

Apartheid Connections – Materialien 2
Kredite an ESKOM
Ein Beispiel von Kollaboration mit dem Apartheidregime

Eine Studie von Gottfried Wellmer

Herausgegeben von SOLIFONDS und Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika

Zürich, 2002
100 Seiten A4, Fr. 35.–

zu beziehen beim SOLIFONDS:
Tel: 044 - 272 60 37 Fax 044 - 272 11 18
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