Informationsbulletin Nr. 62

Minenarbeiter während eines Protestmarsches in der peruanischen Hauptstadt Lima.

Peruanische Minenarbeiter:
wir zahlen nicht für die Glencore-Verluste !

Zahlreich folgten am vergangenen 22. März die Kleinbauern, Minenarbeiter und Einwohnerinnen von Chicla, einem kleinen Ort in den Anden auf 3700 Metern Höhe gelegen, drei Autostunden von der peruanischen Hauptstadt Lima entfernt, dem Aufruf der Gemeindebehörden zu einer ausserordentlichen Versammlung. Denn es hätte einiges zu diskutieren gegeben, nachdem die drei auf Gemeindegebiet tätigen Minengesellschaften, darunter die dem Zuger Glencore-Konzern gehörende PERUBAR, Personal abgebaut hatten und ihre Steuergelder versiegt waren.
Doch sie wurden enttäuscht. Nur eine Minengesellschaft liess sich mit einer kurzen Erklärung verlauten, und Gemeindepräsident Felix Carlos tauchte erst gar nicht auf, denn der ist über seine Leihfirma für Minenarbeiter zu sehr mit den Minengesellschaften verbandelt.
Die Probleme hatten sich im vergangenen Herbst zugespitzt, erklärt Janet Barzola, Präsidentin der nationalen Gewerkschaft der Minenfrauen CNMM (Central Nacional de la Mujer Minera, vgl. Kasten). Der 24. November war für die rund 500 Arbeiter der Rosaura-Mine in Chicla ein schwarzer Tag. Die Eigentümerin PERUBAR verfügte kurz und bündig die Einstellung der Arbeiten und die Entlassung aller Mineros.  Die Förderung von Zink sei wegen der gesunkenen Rohstoffpreise defizitär, argumentierte das Unternehmen.
Zu diesem Zeitpunkt liefen gerade Verhandlungen über eine Klage, die die Gewerkschaft der Rosaura-Arbeiter wegen Verletzungen von arbeitsrechtlichen Verpflichtungen durch PERUBAR beim Arbeitsministerium eingereicht hatte. Gleichzeitig waren die letzten Vorbereitungen zur Gründung einer nationalen Branchengewerkschaft der Minenarbeiter im Gange, zu der sich verschiedene Betriebsgewerkschaften zusammenschliessen wollten. Am 10. Dezember, dem internationalen Menschenrechtstag, sollte der Gründungskongress stattfinden. Die Gewerkschaft der Rosaura-Mine hatte in diesem Prozess eine führende Rolle inne. Die Schliessung von Rosaura und die Entlassung der Arbeiter verhinderte nun die Gewerkschaftsgründung.