Informationsbulletin Nr. 82

Grosse Beteiligung der Vereinigung der Erwerbslosen UDC am Weltsozialforum in Tunis.

Nordafrika: Gewalt gegen Erwerbslose und Gewerkschaften nimmt zu

Am Morgen des 20. Februar verhaftete die algerische Polizei elf Erwerbslose aus Mauretanien, Marokko und Tunesien, die mit Unterstützung durch den SOLIFONDS nach Algerien gereist waren, um am Forum von maghrebinischen Erwerbslosen teilzunehmen. Die Polizei verfrachtete sie auf den Flughafen, wo sie bis zu drei Tagen ausharren mussten, ehe sie aus dem Land geschafft wurden. Algerische Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums wurden gleichzeitig am Sitz der unabhängigen Gewerkschaft SNAPAP verhaftet und während des ganzen Tages dort festgehalten.

Mit diesem repressiven Vorgehen verhinderten die algerischen Behörden und Sicherheitskräfte das Forum, dessen Ziel es war, den Kampf der verschiedenen Komitees gegen Erwerbslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse in einer «Maghrebinischen Union» zusammenzuführen. Vorbereitungstreffen in Tunesien und Marokko hatten deutlich gemacht, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen im Maghreb ist, wenn es darum geht, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern sowie individuelle und kollektive Freiheiten zu erkämpfen. Es gehe darum, schreibt die Vorbereitungsgruppe, «gemeinsam eine solidarische Ökonomie aufzubauen, um Umverteilung und soziale Gerechtigkeit zu erreichen für ein Volk ohne Grenzen.»

Mit der Unterdrückung des Forums zeigte das algerische Regime den Erwerbslosenkomitees und unabhängigen Gewerkschaften im eigenen Land die rote Karte. Ein Anwachsen der sozialen Proteste soll unter allen Umständen verhindert werden. Angesichts der aktiven Rolle, die die gut ausgebildeten Arbeitslosen – «Diplômés Chômeurs» – beim Sturz der Diktatur in Tunesien gespielt haben, nimmt die Repression gegen die Erwerbslosen auch in den andern Maghrebländern zu. Nur lassen sich die Erwerblosen davon nicht mehr unterkriegen, wie das Komitee im algerischen Ouargla jüngst festhielt: «Wir sind Demonstrierende und unser gewaltfreier Kampf wird auf allen öffentlichen Plätzen weitergehen, er wird unter allen möglichen Formen zunehmen. Unsere Botschaft an die Entscheidungsträger: ‘Gebt uns unsere Würde zurück’!»