Informationsbulletin Nr. 87

Angehörige von Opfern protestieren beim Textilunternehmerverband.

Bangladesh ein Jahr nach Rana Plaza :
Gewerkschaft der Textilarbeiterinnen­ stärken !

 

Vor einem Jahr, am 24. April 2013, stürzte in der Nähe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka das achtstöckige Rana-Plaza-Gebäude in sich zusammen. Über 1100 TextilarbeiterInnen wurden unter den Trümmern begraben. Viele wurden schwer verletzt, eine unbekannte Zahl wird vermisst.

Der Gebäudeeinsturz hatte sich mit Rissen in den Wänden abgezeichnet, trotzdem mussten die NäherInnen zur Arbeit erscheinen. Rana Plaza war nicht die erste Katastrophe in der asiatischen Textilindustrie – erst fünf Monate zuvor waren 112 Arbeiterinnen in der Fabrik Tazreen Fashions in Bangladesh bei einem Brand ums Leben gekommen, in Pakistan waren zuvor über 285 ArbeiterInnen verbrannt, weil verschlossene Türen und Fenster sie daran hinderten, ihre Fabrik zu verlassen. Die Liste der Katastrophen in Textil­fabriken ist lang. Das Ausmass des Schreckens beim Gebäudeeinsturz von Rana Plaza aber verunmöglichte, dass die unhaltbaren Arbeitsbedingungen der TextilarbeiterInnen weiter vertuscht werden konnten. In der Folge stieg der Druck auf die Behörden in Bangladesh, die Textilunternehmer und grosse Kleidermarken, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Eine Reihe von Modelabels unterschrieb deshalb eine Vereinbarung über Brandschutz und Gebäudesicherheit bei ihren Fabriken und Hauptlieferanten.

Bis heute jedoch sind die Entschädigungen an die Familien der getöteten ArbeiterInnen und an die Verletzten ungenügend. Und obwohl die Fabriktore während der Arbeit offen stehen müssten, ist das in den meisten Fabriken nicht der Fall – damit bleiben diese bei einem Brand eine Todesfalle für die ArbeiterInnen. Gewerkschaftsrechte werden nicht eingehalten und der Mindestlohn in Bangladesh reicht noch immer nicht zum Leben aus, auch wenn er nach Massenprotesten erhöht wurde.

Umso wichtiger ist es, die TextilarbeiterInnen in ihrem Kampf für würdige Arbeitsbedingungen und einen Existenz sichernden Lohn nicht alleine zu lassen. Mit der 1.-Mai-Aktion unterstützt der SOLIFONDS die Textilarbeiterinnengewerkschaft Garment Workers Unity Forum (GWUF), eine der wenigen Gewerkschaften, die sich explizit für die Rechte der Frauen einsetzt.