Informationsbulletin Nr. 91

«Gewalt hat viele Formen, aber nur eine Ursache.» Marokkanische Frauen fordern Gleichberechtigung und ein Ende der Diskriminierung. Foto: FLDDF

Marokko: Schluss mit « les petites bonnes » – Schluss mit Gewalt gegen Frauen

Sie arbeiten zwölf Stunden am Tag in fremden Haushalten, sieben Tage die Woche und verdienen zehn, fünfzehn Franken im Monat. Es sind Mädchen zwischen 8 und 15 Jahren  – «les petites bonnes», die «kleinen Dienstmädchen».
Tausende Frauen erleiden in Marokko täglich Gewalt in verschiedenen Formen. Sie werden geschlagen und gedemütigt. Sie werden verstossen und landen ohne Zuhause und mittellos auf der Strasse, die gemeinsamen Kinder müssen beim Vater bleiben.

Das sind Realitäten, die es gar nicht geben dürfte. Das marokkanische Arbeitsgesetz verbietet es, unter 15-Jährige zu beschäftigen. Und die Verfassung schreibt die Gleichstellung von Frau und Mann fest. Doch Recht und Wirklichkeit klaffen weit auseinander.
Eine starke Frauenbewegung kämpft gegen diese ungerechten Verhältnisse. Kein leichtes Unterfangen, nachdem bei den Wahlen von 2011 die konservativ-islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung PJD am meisten Stimmen erhalten hat. Ihr eilt es in keiner Weise, die Rechte und die Gleichstellung von Frauen umzusetzen.
Eine der wichtigsten Repräsentantinnen der marokkanischen Frauenbewegung ist die demokratische Liga für Frauenrechte (FLDDF). Sie fordert seit langem ein Verbot von Kinderarbeit in Haushalten und damit ein Ende der Ausbeutung von Mädchen als «petites bonnes». Im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen setzt sie sich für ein umfassendes Gesetz sowie für dessen konsequente Umsetzung ein.
Zwar soll nun bald ein Gesetz über die Hausarbeit verabschiedet werden und ein Entwurf für ein Gesetz gegen Gewalt an Frauen kommt in diesen Monaten ins Parlament. Beide sind jedoch ungenügend. Die demokratische Liga für Frauenrechte setzt nun alles daran, den Inhalt beider Gesetzesvorlagen zu verbessern. Dazu startet sie eine intensive Aufklärungskampagne bei ParlamentarierInnen. Über die Medien sowie mit Mobilisierungen will sie zudem öffentlichen Druck schaffen. Die FLDDF ist an den SOLIFONDS gelangt, weil sie für diese Kampagne auf solidarische Unterstützung zählt – dringend und schnell.