Informationsbulletin Nr. 92

Heimarbeiterinnen organisieren sich gemeinsam gegen extrem ausbeuterische Arbeitsbedingungen. Foto: SOLIFONDS / yz

Gewerkschaften in Pakistan widerstehen Repression und Kriminalisierung

«Seit wir eine Gewerkschaft gebildet haben, fühlen wir uns frei», sagt Zahida Mukhtiar, Heimarbeiterin in Godhra Colony, einem Stadtteil von Karachi. «Zuvor gingen wir nie ausser Haus und hatten keinen Kontakt zu anderen Arbeiterinnen.» Seit sich die Heim-
arbeiterinnen zusammengeschlossen haben, werden sie auch nicht mehr um ihren Lohn geprellt. «Die Mittelsmänner wissen, dass wir uns alle zusammen wehren, wenn sie eine von uns betrügen», berichtet Zahida. «Deshalb trauen sie sich nicht mehr.»
Heimarbeit ist in Pakistan eine der brutalsten Formen der Auslagerung von Arbeit, der Stücklohn reicht kaum zum Überleben. Die Heimarbeiterinnen fordern deshalb die Anerkennung ihrer Rechte als Arbeiterinnen und deren Einhaltung.
Aber nicht nur sie arbeiten unter extrem ausbeuterischen Bedingungen: 90 Prozent aller Betriebe in Pakistan funktionieren ohne Bewilligung, weniger als 5 Prozent der ArbeiterInnen haben Aussicht auf eine Rente. Alle anderen sind informelle ArbeiterInnen ohne Arbeitsvertrag, angeheuert über Arbeitsvermittler. Sie arbeiten zu miserablen Bedingungen, oft sieben Tage die Woche. So etwa in den Tausenden Textilfabriken. Die Webindustrien in Faisalabad etwa wecken Erinnerungen an den Manchesterkapitalismus vor 100 Jahren im Europa.
Die Weber haben sich gewerkschaftlich organisiert und fordern bessere Löhne. Die Repression hat nicht auf sich warten lassen. In Faisalabad und Karachi wurden Gewerkschafter mit falschen Anklagen eingedeckt, die unter das Antiterrorismusgesetz fallen, in Faisalabad sitzen 13 Gewerkschafter deshalb im Gefängnis, einige seit fast fünf Jahren. Sie wurden zu insgesamt 490 Jahren Haft verurteilt. In Karachi konnte eine Verurteilung in erster Instanz verhindert werden – nicht zuletzt dank einer breiten Solidaritätswelle.
Gewerkschaften in Pakistan arbeiten unter enorm schwierigen Bedingungen. Oft werden ihre AktivistInnen mit falschen Anzeigen eingedeckt, Gewerkschaften zerschlagen oder als illegal erklärt. Trotz dieser Schwierigkeiten kämpfen GewerkschafterInnen in Pakistan weiter für ihre Rechte und gegen die Kriminalisierung. Wir unterstützen sie dabei.