Informationsbulletin Nr. 94

Am Jahrestag des Massakers: Zehntausende Mineure versammeln sich beim Hügel, wo die Streikenden getötet wurden – gegen das Vergessen und für Gerechtigkeit. Foto: Reuters/Siphiwe Sibeko

Platinminen in Südafrika

Marikana-Massaker: Kampf für Gerechtigkeit geht in neue Runde

Lonmin, der weltweit drittgrösste Platinproduzent, betreibt im südafrikanischen Marikana drei Minen. Am 16. August 2012 wurden hier 34 streikende Minenarbeiter erschossen. Mehrere Tausend Mineure hatten sich auf einem Hügel neben dem Firmengelände versammelt und forderten eine Lohnerhöhung, aber auch bessere Lebensbedingungen. Lonmin weigerte sich jedoch, mit den Streikenden zu verhandeln. Ein massives Polizeiaufgebot wurde aufgefahren.
Die ersten Medienberichte über das darauf folgende Massaker bedienten sich der Darstellung von Lonmin und der Polizei: Letztere habe in Notwehr gehandelt und auf einen bewaffneten Mob geschossen, der auf sie zustürmte. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, wurde spätestens während der Anhörungen der Untersuchungskommission unter dem ehemaligen Richter Ian Farlam bekannt. Die meisten der erschossenen Minenarbeiter wurden in den Hinterkopf getroffen. Sie flüchteten vor der Polizei, als sie getötet wurden.
Im jüngst veröffentlichten Schlussbericht der Untersuchungskommission bleibt die Kritik am Polizeieinsatz einer der wenigen positiven Punkte. Die politischen Verantwortlichen sowie der Minenkonzern Lonmin werden reingewaschen. Verantwortlich für das Massaker seien die Minenarbeiter selber. Gegen sie soll eine Strafuntersuchung eingeleitet werden. Empfehlungen für finanzielle Entschädigungen für die Familien der Opfer macht der Bericht keine. Für die Angehörigen der Ermordeten sowie die am Streik beteiligten Arbeiter ist der Bericht eine grosse Enttäuschung und trägt in keiner Weise zu Gerechtigkeit bei.
Dies mobilisiert Widerstand unter den Minenarbeitern und den Angehörigen der Getöteten. Die Familien der Erschossenen haben nun gegen die Regierung Klage auf Entschädigung eingereicht. Klagen gegen Lonmin werden ebenfalls geprüft. Gleichzeitig wollen die Betroffenen die Ereignisse während des Massakers breit bekannt machen und die Unhaltbarkeit des Farlam-Berichts aufzeigen.
Mit der aktuellen Unterstützungsaktion solidarisiert sich der SOLIFONDS mit den Minenarbeitern und den Familien der Getöteten und ihrer Forderung nach Gerechtigkeit.