Argentinien: Angesichts autoritärer Gewalt: Widerstand des Volks
Argentinien: Vom Putsch 1976 zum neoliberalen Projekt Mileis
Angesichts autoritärer Gewalt: Widerstand des Volks
Vor 50 Jahren, am 24. März 1976, verübte das argentinische Militär mit Unterstützung der USA und unter Mitwirkung eines Teils von Politik, Grossunternehmen und bestimmter Kreise der katholischen Kirche einen Staatsstreich, der aufgrund seiner brutalen Repression in die Geschichte Lateinamerikas eingegangen ist. Dieser zivil-militärischer Putsch leitete einen neuen Zyklus wirtschaftlicher und sozialer Angriffe gegen die Mehrheit der Bevölkerung ein. Er installierte auch den schädlichen Mechanismus der Verschuldung und Abhängigkeit - mit einer unbegrenzten Zunahme der Auslandsverschuldung.
Die sieben Jahre (1976-1983) dieser Diktatur waren die brutalsten in der jüngeren Geschichte Argentiniens. Sie waren geprägt von der gewaltsamen Durchsetzung des Staatsterrorismus, mit einer dramatischen Bilanz von 30’000 Verschwundenen – darunter 500 Babys, die ihren verschwundenen Eltern entrissen worden waren –, mehr als 11’000 politischen Gefangenen sowie Zehntausenden Vertriebenen und ins Ausland Geflüchteten.
Das diktatorische Regime versuchte, eine ganze Generation engagierter und solidarischer junger Menschen, welche die Welt gerechter machen wollten, zu vernichten. Dieses Ziel wurde nur teilweise erreicht: Der Widerstand der Bevölkerung konnte von der Armee nicht gebrochen werden.
Das Paradebeispiel sind die Mütter und Grossmütter der Plaza de Mayo: Angesichts der systematischen und systemischen Unterdrückung entstand eine breite soziale Bewegung zur Verteidigung der Menschenrechte.
Die Militärs - geschwächt und zunehmend verpönt - verloren nach dem Falklandkrieg, in dem Hunderte junger Menschen ihr Leben liessen, an Einfluss. 1983 mussten sie schliesslich die Macht abgeben.
Das weitgehende Engagement eines Grossteils der argentinischen Gesellschaft für das ERINNERN, die WAHRHEIT und die GERECHTIGKEIT (MEMORIA, VERDAD y JUSTICIA) ist der rote Faden eines unermüdlichen Kampfes für die Menschenrechte. Zwischen 2006 und Oktober 2025 wurden fast 1’200 Militärangehörige, Zivilpersonen und Geistliche vor ordentlichen Gerichten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Argentinien ist weltweit zu einem wichtigen Vorbild geworden, wenn es darum geht, sich an die Vergangenheit zu erinnern und zu verhindern, dass die Geschichte vergessen oder geleugnet wird. Angesichts dieses intensiven Engagements der Bevölkerung für das ERINNERN versucht der seit Dezember 2023 regierende Präsident Javier Milei, die Leugnung der Vergangenheit als vorherrschende Ideologie durchzusetzen und die Verbrechen der Diktatur zu rechtfertigen. Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt und den Kampf der Frauen für Gleichberechtigung lehnt Milei ab. Er ignoriert den Klimawandel. Er missachtet internationale multilaterale Organisationen und deren Programme wie die Agenda 2030 oder die Uno-Ziele für nachhaltige Entwicklung usw.
Die aktuelle argentinische Regierung verfolgt eine Politik des systematischen wirtschaftlichen und sozialen Abbaus. Diese trieb in den letzten zwei Jahren mehr als 20’000 Unternehmen in den Konkurs – von denen die meisten weniger als 500 Mitarbeitende beschäftigen. Mehr als 280’000 Arbeitsplätze verschwanden, davon 90’000 in sensiblen Bereichen des Staates wie Forschung, Gesundheit, Bildung, Menschenrechte, Sozialhilfe usw. Gegen hundert Grossdemonstrationen wurden gewaltsam unterdrückt – die Repression ist ein weiterer Pfeiler von Mileis Politik. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens 2’400 Protestierende verletzt und mehr als 460 Personen festgenommen.
Mileis Leugnung des Lebens, des Planeten, der Rechtsstaatlichkeit und sogar der Demokratie bringt ihn der extremen Rechten näher. Er lässt sich von Trump und Netanjahu inspirieren. Er unterhält enge Beziehungen zu neofaschistischen Führungspersonen in Europa. Auf diese Weise gewinnt das Projekt der internationalen radikalen Rechten an Stärke. Diese Rechte vertritt kulturelle, religiöse und politische Ideen, die extrem, patriarchalisch und reaktionär sind. Ihr Ziel ist der Abbau von Errungenschaften wie dem sozialen Schutz, der Solidarität und Diversität, der Aufnahme von Geflüchteten, oder auch dem Recht des palästinensischen Volkes sowie aller Völker, über die eigene Zukunft selbst zu entscheiden.
50 Jahre nach dem Putsch in Argentinien bekräftigen wir:
NIE WIEDER STAATSTERRORISMUS.
NEIN ZUM WIRTSCHAFTLICHEN UND SOZIALEN PROJEKT MILEIS.
NEIN ZUM NEGATIONISMUS, ÜBERALL UND IN ALL SEINEN FORMEN.
JA ZUR INTERNATIONALEN SOLIDARITÄT.
Aus der Schweiz stellen wir am 24. März 2026 fest, dass Widerstand und Protest in Argentinien sehr präsent sind. Wir bekräftigen unser Engagement für ein anderes Argentinien, ein anderes Lateinamerika und für EINE ANDERE WELT, DIE MÖGLICH IST.
Nunca Más, Argentinos para la Victoria-Suiza, Asociación El Periscopio, Jardin des Disparus, LATINO LAB, AMIS
Unterstützt von :
ACAF Assamblée de Citoyens argentins en France
Aipazcomun Suisse
ALAM Association latinoaméricaine de Meyrin
AMCA Associazione per l’aiuto medico al Centro America (ONG Ticino, Solidarité médicale avec Amérique Centrale et Mexique)
Asolatino (Berne, association de solidarité avec la Colombie)
Association des chiliens résidant à Genève
Association de solidarité Nicaragua-el Salvador (Genève)
Association Maurice Demierre (Bulle)
CADTM Suisse (Comité pour l’abolition des dettes illégitimes)
CETIM (Genève)
Colectivo Federal INTERMESAS de Sitios de la Memoria
Comité Mémoire et Justice de Genève
Comunidad Bolivia Plurinacional.Ch
Estela de Carlotto, présidente de Abuelas de Plaza de Mayo
Donde están ? Oú sont-ils ? (Uruguay)
Groupe Nicaragua-Jumelage Delémont-La Trinidad (Delémont, association de solidarité)
Jumelage Biel-Bienne-San Marcos (Bienne, solidarité avec Nicaragua)
Les Vert-e-s suisses
Lupi solidali (Berne, group solidaire d’italiens)
Maria Adela Antokoletz, secrétaire exécutive de FEDEFAM (Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos Desaparecidos)
MediCuba-Suiza (National)
Novo Movimento (Solidarité avec Brésil, Winterthur et région)
Parti Solidarités
Jeunesse solidaire
Quinto Suyo Suiza Peru
Red Whipalas/Whipalas Network
SOLIFONDS (Organisme de solidarité syndical avec les mouvements sociaux en lutte, Zürich)
Syndicat SSP-VPOD Genève
Taty Almeida, présidente de Madres de Plaza de Mayo, Línea Fundadora
Zentralamerika Sekretariat (Solidarité avec l’Amérique Centrale)
Anne-Catherine Menétrey, ancienne députée et ancienne conseillère nationale verte (VD)
Antonio Hodgers, ancien conseiller d’Etat du canton de Genève
Bernard Borel, conseiller communal à Aigle et président de l’AVIVO Chablais
Carlo Sommaruga, conseiller aux Etats socialiste (GE), président de la Commission de politique extérieure du Parlement suisse
Delphine Klopfenstein Broggini, conseillère nationale verte(GE)
Emmanuel Deonna, conseiller municipale socialiste (GE) et président de la commission Migration et Genève Internationale au Parti Socialiste Genevois
Franco Cavalli, ancien conseiller national (TI) pout le parti socialiste, ancien président de l’Union Internationale contre le Cancer
Jean-Charles Rielle, député socialiste au parlement cantonal, président du Conseil municipal de la Ville de Genève et ancien conseiller national (GE)
Jean-Pierre Tombola, député socialiste au Grand conseil (GE)
Laurence Fehlmann-Rielle, conseillère nationale socialiste (GE)
Lisa Mazzone, présidente des Vert-e-s suisses
Luc Recordon, ancien conseiller national vert et ancien conseiller aux Etats (VD)
Maryam Yunus Ebener, présidente des Verts-e-s genevois-e-s
Pierre-Yves Maillard, ancien conseiller d’Etat socialiste du canton de Vaud, conseiller aux Etats et Président de l’Union Syndicale Suisse
Rudi Berli, conseiller national vert (GE)
Sylvain Thévoz, député socialiste au Grand conseil (GE)
Ueli Leuenberger, ancien conseiller nationale vert (Ge), ancien président des Vert-e-s suisses
Vania Alleva, syndicaliste